Auf den ersten Blick findet man hier wahrscheinlich nicht allzu viele Berührungspunkte. Aber bei genauerer Betrachtung dieser Branchen fällt auf, dass sowohl die Drogerie als auch die Lebensmittelbranche den Konzentrationsprozess bereits durchgemacht hat, indem sich die Möbelbranche gerade befindet.
In diesem Punkt sind sich wohl alle Experten einig: Die Konzentration des Möbelhandels wird weiter zunehmen. Laut Robert Schmand werden von zurzeit knapp9.000 Möbelhändlern in den kommenden 10 Jahren nur 5.000 übrig bleiben. Dies sind gerade einmal 55% und betrifft vor allem die kleinen Möbelhäuser.
Die Filialisten wie Roller und Poco veröffentlichen ehrgeizige Pläne mit bis zu sechs Neueröffnungen pro Jahr und auch Porta, Höffner, Lutz und Segmüller bauen weiter. Und dort wo ein großes Möbelhaus eröffnet, kommt der Mittelstand ins Straucheln. Holger Wittig sagte in einem Interview „Wenn einer kommt, merken das alle. Wenn einer geht, merkt’s keiner“. Doch wer in diesem Konzentrationsprozess gehen muss, wird nicht allein durch die Hausgröße entschieden. Denn auch der Experte Franz Blust weiß, dass besonders die Fähigkeit sich neuen Themen zu stellen, eine Eigenschaft ist, die das Überleben des eigenen Möbelhauses gewährleisten kann. Hierbei geht es um die Entwicklung der Werbung, weg vom Prospekt und hin zur individualisierten und regionalisierten Werbung im Internet. Außerdem die engere Kommunikation zwischen dem Kunden und dem Verkäufer im mittelständischen Möbelhaus, da dieser flexibler auf seine Kunden eingehen kann. Diese Möglichkeit haben die Verkäufer der größeren Möbelhäuser meistens nicht.
Um es mit den Worten von Holger Wittig zu sagen, haben mittelständische Inhaber, die ihre Hausaufgaben gemacht haben – und damit ist in erster Linie die eigene Persönlichkeitsentwicklung und die Verbesserung des Führungsverhaltens gemeint – auch gegen die Großen eine Chance. Es kommt nämlich eben doch nicht nur auf die Größe, die Ausstellung und den Wettbewerb an, sondern stark auf die Person, die das Haus führt.
Diese Aussage unterstützt auch Bernhard Zweifel. Denn auch er sieht in dem derzeitigen Konzentrationsprozess der Möbelbranche nicht nur Risiken für die mittelständischen Häuser, sondern auch viele Chancen. So sollten sich die Möbelhäuser laut ihm auf Warengruppen spezialisieren und strategische Partnerschaften eingehen.„Nur wenn der Mittelstand sich selbst konzentriert, kann er überleben“ , so Bernhard Zweifel in einem Interview. Das 4.000qm Vollsortimentshaus wird aussterben und es wird auf Dauer auch keine einzelnen „Kleinfürstentümer“ mehr geben.
So kann, nach den Meinungen der befragten Experten, der Konzentrationsprozess der Möbelbranche für die Kleinen ebenso Chancen bieten wie er auch Risiken birgt. Doch wer sich mit neuen Themen beschäftigt, den Fokus auf eine verbesserte Kommunikation und Spezialisierung der Warengruppen legt, kann neben den Großen trotzdem weiter bestehen.
